„irgendwann, wenn wir uns lieben“
Martin Blumöhr
Serie Public Viewing
ca. 20m², Acryl, Lack, Tusche auf Wandfläche,
025-26
Entstehung
Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des viel beachteten Kunstprojekts „Tunnelblick“ im Hermann Hesse-Weg am Pasinger Bahnhof konnte der Künstler Martin Blumöhr 2025 beauftragt durch den Bezirksausschuss21 und in Kooperation mit dem Kulturreferat der LH München, SWM und der Stadtbibliothek Pasing mit „Leselandschaften“ ein wesentlich wichtigeres Jubiläum malerisch in Erinnerung rufen: Den Niedergang des dritten Reiches und ein Leben in Deutschland inzwischen 80 Jahre in Frieden. „Leselandschaften“ war dabei eine Kooperation mit der Stadtbibliothek München mit der Martin Blumöhr bedeutenden Schriftsteller Münchens der Kriegs- und Nachkriegszeit einen Denkraum widmet. Und ganz im Sinne der „Wildwuchsmalerei“ seiner Serie „Public Viewing“ kam er dort mit Bewohnern ins Gespräch und lernte schließlich mit Josef Heckl einen innovativen und kunstbegeisterten Pasinger kennen, der hier, an der Bierbaumstraße 1 auf privaten Grund, aber für alle Interessierten, frei einsehbar und nachts sogar illuminiert, ein Wildwuchsmalerei-Samenkorn sprießen lassen wollte.
So ist also mit „Arbor Cervisia“ noch ein weiterer Denkraum für einen bedeutenden Münchner Schriftsteller entstanden:
Otto Julius Bierbaum
Der Namensgeber der Bierbaumstaße ist1865 in Grünberg /Schlesien geboren und verbrachte einige seiner erfolgreichsten Jahre in München. Besser bekannt unter seinen Pseudonymen „Martin Möbius“ und „Simplicissimus“ war der deutsche Journalist und Redakteur auch Schriftsteller und Librettist. Als wichtiger Wegbereiter der Münchner Moderne, des modernen Kabaretts und des literarischen Varietes wirkte Otto Julius Bierbaum 1901zusammen mit Otto Falckenberg und Franz Wedekind an der ersten „Exekution“ des Münchner Kabaretts „Die Elf Scharfrichter“mit.
Martin Blumöhr über Arbor Cervisia
“Die Arbeit stellt einen Utopie-nahen Sehnsuchtsort dar, zitiert aus einem Gedicht des großen Schriftstellers Otto Julius Bierbaum alias den Simplicissimus und lässt als Symbol für die feine Möglichkeit einer Begegnung zwei unterschiedliche Fische aus der Würm aufeinander zu springen: die Menschheit und den kreativen Geist (“der singende Fisch” – eine Hommage an den Künstler Miro, den sowohl Josef Heckl und ich sehr schätzen und der so als weiteres, verbindendes Detail in die Komposition fand.
Frieden mag oft unwahrscheinlich erscheinen, aber er bleibt möglich:
Paxoptimarerum!”
Die Wandarbeit zitiert aus einem Gedicht von Julius Bierbaum, der ganze Text:
“Ich…war…einmal”
Oft weiß ich ganz genau: Ich … war … einmal;
Ich habe schon einmal all dies gesehn;
Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir
Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon;
All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur
Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung
Durch Raum und Zeit. – Wie sonderbar das ist:
Ein Fließen, Sinken, Untertauchen und
Ein neu Empor im gleichen Strome: Ich
Und immer wieder ich: Ich … war … einmal
